{"id":9851,"date":"2023-09-25T14:12:02","date_gmt":"2023-09-25T12:12:02","guid":{"rendered":"https:\/\/mastering-academy.com\/?p=9851"},"modified":"2023-09-26T12:00:15","modified_gmt":"2023-09-26T10:00:15","slug":"mastering-workflow-diagramm-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mastering-academy.com\/de\/mastering-workflow-diagramm-teil-1\/","title":{"rendered":"#010 Mastering Workflow Diagramm &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus welchem Grund auch immer, mein Gehirn ist irgendwie so gestrickt, dass ich komplexe Vorg\u00e4nge unmittelbar und spielend in Schematiken herunterbrechen kann. In diesem Fall hat mich ein anregender Austausch mit meinem wundervollen und gesch\u00e4tzten Kollegen und MA-Coach Farzad dazu angeregt, die drei von mir gerne postulierten Mastering Bearbeitungsschritte in einen etwas gr\u00f6\u00dferen Kontext zu stellen. Das Ergebnis ist das \u201cMastering Workflow Diagramm\u201d.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Teil 1 des Blog-Beitrags gehe ich auf die obere H\u00e4lfte der Grafik ein und im n\u00e4chsten Blog-Beitrag gehe ich auf die Ziele (Aims) ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">Erster Bearbeitungsschritt: Wegnehmen, was zu viel ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meinen Mastering-Studierenden empfehle ich, sich zu Beginn des Bearbeitungsprozesses darauf zu konzentrieren, nach Dingen Ausschau zu halten, die vielleicht zu viel sind und diese behutsam zu reduzieren. Die Betonung liegt hier gleichm\u00e4\u00dfig auf \u201cbehutsam\u201d und \u201cAusschau halten\u201d verteilt, denn es passiert immer wieder, dass dieser Bearbeitungsschritt etwas \u00fcber-interpretiert wird. Ich nutze f\u00fcr diesen Prozess einen geeigneten chirurgischen EQ (in meinem Fall den <a href=\"https:\/\/www.maat.digital\/theqorange\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MAAT thEQorange<\/a>) und schaue, ob vor allem im unteren Mittenbereich \u00fcberm\u00e4\u00dfige Resonanzen das Klangbild maskieren. Dies in angemessener Weise zu praktizieren erfordert ein wenig \u00dcbung aber auch eine geeignete Abh\u00f6rsituation, die einem eine ehrliche akustische Aussage in Bezug auf die Balance des unteren Mittenfeldes liefert. Wir sprechen \u00fcber ca. 150 bis 350 Hz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bitte dringend darum, mich nicht auf diese Angabe festzunageln, da es nat\u00fcrlich auch Mischungen gibt, die vielleicht ein Resonanzproblem bei 115 Hz oder 986 Hz oder sonst wo haben. Es geht bei solchen Angaben um die am h\u00e4ufigsten zutreffende Wahrscheinlichkeit. Nun, ich zeige in Bearbeitungsbeispielen innerhalb unserer Module, wie effizient dieser Vorgang helfen kann, durch diese Demaskierung das Gef\u00fchl einer Mischung dahingehend zu optimieren, dass sie sich nicht mehr nervig gedrungen anh\u00f6rt, sondern befreit. Ich m\u00f6chte eigentlich lieber sagen, die Mischung f\u00fchlt sich freier an. F\u00fchlen ist hier eine wichtige Sache. Wie die meisten wissen, nenne ich das \u201cEmotionales H\u00f6ren\u201d.\n<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">Hier ein paar Anhaltspunkte, um die richtige Dosis bei der Reduktion von Resonanzen zu finden:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. H\u00f6re auf deinen spontanen ersten H\u00f6reindruck. H\u00e4ufig zeigen sich hier Resonanzen, an die sich das Geh\u00f6r jedoch rasend schnell gew\u00f6hnt, wenn man nicht die frischen Ohren nutzt, um sie ausfindig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. \u00dcbe tats\u00e4chliche Resonanzen (z.B. sich \u00fcberlagernde Instrumente oder Raummoden) von dem Ringing zu unterscheiden, dass jeder EQ erzeugt, wenn du mit plus 12 dB durchs Spektrum sweepst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Es ist nur selten ratsam, mehr als maximal 3 bis 4 dB herauszuziehen, insbesondere mit einem linarphasigen EQ.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. Nutze die Funktion &#8220;negative Differenz\u201d von deinem EQ, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob es sich wirklich um die st\u00f6renden Resonanzen handelt, die du versuchst zu kontrollieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. \u00dcberpr\u00fcfe, ob die Mischung durch die Reduktionen zu sehr an W\u00e4rme verliert und kompensiere bedarfsweise mit einem breiten minimalphasigen Bell oder Saturation.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. Wenn immer noch deutliche Resonanzen vorhanden sind, mache mit einem Dynamic EQ weiter, der nur greift, wenn die Resonanz tempor\u00e4r auftritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. \u00dcberpr\u00fcfe, dass deine Einstellung nicht zu einem unbalancierten Bass-Response f\u00fchrt (ist die Basslinie noch gleichm\u00e4\u00dfig laut?).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8. H\u00e4ufiges trainieren wird dazu f\u00fchren, dass du die Probleme auch ohne Sweepen sofort h\u00f6rst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9. Nicht alle Mischungen haben hier Probleme. Also Finger weg, wenn die Mischung im unteren Mittenbereich gut kontrolliert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste (und zweite) Bearbeitungsschritt ist dem Bereich Mixing &amp; Mastering zugewiesen, weil diese Probleme in einer Mastering-fertigen Mischung eigentlich nicht auftreten sollten. In der Mastering-Praxis trifft das leider nicht immer zu, was uns dann veranlasst, dieses Problem an Stelle des Mixing Engineers zu beheben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">Zweiter Bearbeitungsschritt: Kontrollieren, was unkontrolliert ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unseren Mixing Studenten bringen wir bei, die Mischung zureichend zu kontrollieren, sodass der Mastering-Engineer sich auf das eigentliche Mastering, den dritten Schritt im Mastering Workflow Diagramm, konzentrieren kann. Das ist ideal f\u00fcr den Gesamtprozess und das Ergebnis, entspricht aber auch heutzutage nicht mehr g\u00e4ngiger Praxis, sodass wir Mastering Engineere uns auch hier wiederfinden, den Mischprozess f\u00fcr den Mixing Engineer zu vervollst\u00e4ndigen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unkontrolliert ist alles, was aus der \u201cNorm\u201d herausf\u00e4llt. Wenn man sich auf dem Graphic Analyser eine Kennlinie f\u00fcr das Genre, das man gerade mastert vorstellt, dann ist alles, was aus dieser Kennlinie tempor\u00e4r herausbricht, etwas, das kontrolliert werden muss. Alles, was pegelm\u00e4\u00dfig nach oben ausbricht, wird zuerst den Limiter triggern und im schlimmsten Fall L\u00f6cher in unser Hirn bohren, wenn z.B. unkontrollierte Zischel- und S-Laute den Weg zu unseren Ohren finden. Es kann sich aber auch um Harschheit in den Mitten zwischen 2 und 4 kHz handeln oder ein dynamisch unkontrolliertes, durch einen laufenden Filter ungez\u00e4hmtes Synth-Arpeggio.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">Warum all dieser Kontroll-Wahnsinn?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles, was wir nicht gut kontrollieren und integrieren, schl\u00e4gt gnadenlos zur\u00fcck, wenn es daran geht, die gew\u00fcnschte Lautheit zu erreichen. Es ist leider sehr viel besser, diesen Prozess w\u00e4hrend des Mixings zu durchlaufen, weil viel granuliertere Eingriffsm\u00f6glichkeiten vorhanden sind, die bei guter Ausf\u00fchrung zu einem besseren Endergebnis f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die genutzten Tools f\u00fcr Bearbeitungsschritt zwei sind Multiband-Kompressoren, De-Esser, Splitband-Kompressoren, Dynamic EQs und De-Harsching-Tools (z.B. <a href=\"https:\/\/oeksound.com\/plugins\/soothe2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oeksound\u00b4s Soothe<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-large-font-size\">Dritter Bearbeitungsschritt: \u00c4sthetisches Polieren <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kommen wir endlich zu dem eigentlichen Mastering Prozess. Fr\u00fcher hat hier das Mastering erst begonnen, weil es die anderen Tools noch gar nicht gab. Ich kann es nicht h\u00e4ufig genug sagen: Je besser die Mischung, desto besser das Master. Eine gute Mischung erm\u00f6glicht eine k\u00fcrzere Mastering-Kette, die mit kleineren Schritten eine gr\u00f6\u00dfere Wirkung entfaltet und am Ende kommt ein Master heraus, was genauso klingt wie die Mischung; nur eben gr\u00f6\u00dfer, tiefer und zusammenh\u00e4ngender.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klassischerweise wird hier h\u00e4ufig rein analog gearbeitet. Je nach Situation wird die analoge Signalkette am Ende in der DAW noch durch Limiter o.\u00e4. erg\u00e4nzt, also hybrid gearbeitet. Bei guter Wahl der Tools gepaart mit fachkundiger Einstellung sind heutzutage auch immer mehr Mastering Engineere auch hier \u201cIn The Box\u201d (ITB) unterwegs. Das bleibt jedem selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt k\u00f6nnte ich mich noch in einem Blog-Beitrag zu dem WARUM dieser Reihenfolge der drei Bearbeitungsschritte auslassen. Aber ich glaube, das wird ausreichend in unseren Modulen und Coachings behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr zu den Zielen (Aims) schreibe ich im Teil 2 des Blog-Beitrags.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Happy Mastering!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Friedemann Tischmeyer, September 2023<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:85px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus welchem Grund auch immer, mein Gehirn ist irgendwie so gestrickt, dass ich komplexe Vorg\u00e4nge unmittelbar und spielend in Schematiken herunterbrechen kann. 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